Biotreibstoff erreicht die Flugzeugindustrie

Einer der großen Luftverschmutzer sind die Flugzeuge, die bei Langstreckenflügen Emissionen produzieren, für die man auf der Erde mehrere hundert Autos bräuchte. Mittlerweile versuchen sich aber die Fluglinien gegenseitig mit neuen Rekorden zu übertreffen, was die Verwendung von Biokraftstoffen angeht. Gerade hat die Fluggesellschaft United Airlines 60.000 Kilometer bei einem Flug zwischen San Francisco und Zürich mit Biotreibstoff zurückgelegt. Die Firma hatte angekündigt, bis 2050 seine Treibhausemissionen um 50 Prozent reduzieren zu wollen, und die Verwendung von Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist eine der Maßnahmen, um das Ziel zu erreichen.

Noch wird auf der Langstrecke mit einem Gemisch geflogen: Die knapp 60.000 Liter Bio-Benzin machen etwa 30 Prozent des gesamten Treibstoffes aus. Derzeit braucht man die Gemische noch, weil die Turbinen nicht mit Biotreibstoff alleine funktionieren. Seit 2016 hat United Airlines über 7,5 Millionen Liter Biotreibstoff verbraucht. Das Unternehmen hat auch über 50 Millionen Dollar in die Entwicklung von Biotreibstoffen und die Forschung gesteckt. Übrigens arbeitet man auch daran, die Bodenfahrzeuge am Flughafen auf Biotreibstoff umzustellen.

Die IATA, die Vereinigung der Luftfahrt, hatte als Ziel ausgegeben, bis 2050 die Hälfte der Flugtreibstoffe aus nachhaltigen Rohstoffen zu produzieren, allerdings scheint das nicht realistisch. Man geht davon aus, dass bald mehr als die jetzigen vier Prozent der gesamten CO2 Emissionen auf das Konto der Luftfahrtindustrie gehen. Abhilfe können zwar auch Sprit sparende Flugzeuge bieten, dies aber nur in einem geringen Umfang. Auf dem Boden wird der Biotreibstoff mittlerweile auch bei Zweirädern verwendet: Wer sich am Wochenende die Motorradhosen anzieht und einen Ausflug macht, kann das ebenfalls umweltfreundlich mit Biobenzin machen.

Gute und schlechte Biokraftstoffe

Die Biotreibstoffe sind deshalb so wichtig geworden, weil fossile Brennstoffe einen großen Beitrag an der Klimaerwärmung haben. Bei den biologischen Alternativen wird der Treibstoff aus angebauten Pflanzen gewonnen, die genau so viel CO2 beim Wachstum aufgenommen haben, wie sie beim Verbrennen wieder abgeben. Dadurch bleibt die Bilanz neutral und es gelangt kein zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre. Das kann bedeuten, dass die Verwendung von Biokraftstoffen zwischen 50 und 70 Prozent Klimagaseinsparungen mit sich bringt. Wichtig ist aber dabei, woher der Biokraftstoff kommt. Werden zum Beispiel Wälder gerodet, um Palmen anzubauen, so wirkt sich das eher schlecht auf die Bilanz aus, weil Wälder große CO2-Verbraucher sind. Brachliegende Ackerflächen und Wiesen eigenen sich dagegen hervorragend. In Deutschland müssen Biokraftstoffe deshalb eine Herkunftsbescheinigung und eine Klimaeinsparungs-Einschätzung haben. Strittig ist derzeit, ob der Weltbedarf an Biokraftstoff langfristig überhaupt mit nachhaltigen Methoden befriedigt werden kann. Alleine um den Verkehr in der EU zu neun Prozent mit Biobenzin und -diesel zu versorgen, braucht es neue Ackerflächen, die etwa zwei Mal so groß wie Belgien sind. Neue Forschungen versuchen, aus Algen Treibstoff zu gewinnen, der auch für Flugzeuge verwendet werden kann. Derzeit sind Firmen wie Honeywell und einige amerikanische Universitäten dabei, dieses Verfahren zu verbessern.